…schallte es aus den Boxen der Musikanlage, wildfremde Menschen lagen sich vor Freude in den Armen, der Fanclub zelebrierte eine HUMBA durch die Halle, die Sektkorken knallten, die Mannschaft bildete einen hüpfenden Jubelkreis und der sichtlich erleichterte Trainer rang nach Fassung vor der versammelten Presse. Soeben hatte sein Team eine lange Durststecke beendet. Man hatte im kleinen Bochumer Ortsteil Gerthe beinahe schon die Hoffnung aufgegeben...aber halt nur beinahe!

Sage und schreibe neunzehn Millionen achthundertzweiundsiebzigtausend Sekunden musste ein ganzer Stadtteil auf diesen Moment warten! Ein Heimsieg im Gerthe Dome! Exakt 230 Tage nach dem letzten Sieg (Anm. d. Red.: 29.01.2017 gegen die Vfl Astrostars) konnte endlich wieder ein Heimsieg der ersten Herrenmannschaft gefeiert werden. Und das direkt im ersten Spiel im Gerthe-Dome seit dem Hallenbrand Anfang des Jahres.

IMG 20170917 WA0101

Schon Tage vorher wurde in den lokalen Medien gerätselt wie man endlich den Fluch des Hephaistos besiegen konnte. Gefühlt eine ganze Nation brauchte diesen Sieg. Zum Saisonauftakt empfingen die Gerther Korbjäger mit dem TV Dortmund-Mengede einen der Aufsteiger aus der Bezirksliga. Konnte man heute den ersten Heimsieg seit gefühlten Ewigkeiten holen? Böse Zungen behaupteten vor dem Spiel, dass mit einer Niederlage die T-Frage wiederaufkommen würde und Coach Vanhoyland wohl seinen Hut nehmen müsse. Im ersten Viertel merkte man den Jungs von Trainer Vanhoyland diese Anspannung und Nervosität auch direkt an. Die Wurfhand zitterte noch bei dem ein oder anderen, man wollte zu oft mit dem Kopf durch die Wand oder war wie gelähmt und konnte sich nicht mehr rühren. So kam der Gast aus Dortmund immer wieder zu zweiten Chancen in der Offensive oder wurde durch unnötige Fouls an die Linie geschickt. Es deutete sich ein zähes und verkrampftes Spiel an.

 

Starkes zweites Viertel bringt 42 zu 16 Halbzeitführung

 

Jedoch erinnerte sich der Gerther Übungsleiter, welcher aus disziplinarischen und kulinarischen Gründen auf acht Gefährten verzichtete, in der Pause zum zweiten Viertel daran, wie er auf einer seiner zahlreichen Expeditionen durch den Fernen Osten von einer nepalesischen Krankenpflegerin, welche nebenberuflich illegal mit Kamel-Fleisch handelte, die Kunst des Zauber-Coachings erlernte. In einer Oskar reifen Rede baute er sein Team auf und fortan lief es im Spiel der Gerther so gut, dass man sich den Luxus erlauben konnte, auch einfachste Korbleger zu verlegen. Denn es ging ein Ruck durch die Mannschaft und nun wurden sogar Rebounds geholt, welche umgehend in Punkte umgewandelt wurden. Vollgepumpt mit Selbstvertrauen versuchte sich nun jeder Gerther mal mehr und mal weniger ergebnisorientiert im modernen Korbwurf. So stand nach 20 Netto-Minuten ein 42 zu 16 für den gastgebenden TV Gerthe auf der provisorischen Anzeigetafel.

Was der nun sichtlich mit Stolz gefüllte Trainer jedoch vergaß: der Nachteil seiner bewusstseinserweiternden Coaching-Methode ist die Nachhaltigkeit. So hält die Wirkung dieses höchst umstrittenen Zaubers nicht lange an und es stellt sich nach genau 19 Minuten ein Zustand der Entspannung und Zufriedenheit im gesamten Team ein. Und so agierten seine Spieler dann zu Beginn der zweiten Halbzeit. Mit der hohen Führung im Rücken und der immer weiter einstellenden Entspannung wurde das Gerther Spiel im Angriff immer unstrukturierter und in der Verteidigung lückenhafter. Der Gast aus Dortmund konnte in dieser Phase ein ums andere Mal einfach punkten und das dritte Viertel mit 15 zu 12 für sich entscheiden. So ging es mit einem 54 zu 31 für den TVG in die letzten zehn Minuten.

IMG 20170917 WA0105

Doch wer nun auf Besserung hoffte sah sich schnell getäuscht. Zwar packten die Gerther Jungs im vierten Viertel den defensiven Riegel aus und ließen kaum noch Punkte zu, jedoch wollten im Angriff einfachste Würfe nicht mehr fallen. Allerdings wurde mit fortlaufender Spieldauer immer deutlicher, dass die Dortmunder heute nicht für den Sieg in Frage kommen würden. So konnte der TV Gerthe am Ende einen ungefährdeten 68:38 (42:16) Erfolg feiern und beendete damit die lange Leidenszeit ohne Sieg in der Liga. Der Jubel kannte nach dem Abpfiff keine Grenzen und es wurde noch bis in die frühen Morgenstunden bei frischen Kaltgetränken über den Beginn einer neuen Ära geschwärmt...

„Wenn man das erste Spiel zuhause mit 30 Punkten gewinnt, kann man als Trainer durchaus zufrieden sein. Dass nicht alles auf Anhieb klappt und man mit einer hohen Führung zur Halbzeit nicht mehr zu 100 % konzentriert ist und dadurch viele kleine Fehler resultieren, kann ich heute mal verkraften. Wichtig war endlich mal wieder einen Heimsieg zu holen“, so der entspannte und zufriedene Coach nach dem Spiel. Nun heißt es den faulen Zauber aus den Knochen zu schütteln und sich auf die nächste Aufgabe vorzubereiten. Diese wird mit dem Auswärtsspiel am Sonntag beim nächsten Aufsteiger, dem LTV Lippstadt, nicht einfacher.

Für Gerthe spielten:
Chenyi, Dückershoff, Nitsche, Block, Lumbers, Mannke, Reckinger, Lamhiti, Pospiech, Knaup, Samsonov, Peters.

IMG 20170917 WA0100

 

Heimspiel in der zweiten Pokal-Runde

Währenddessen fand auch die Auslosung der zweiten Runde des WBV-Pokals statt. Diese beschert dem TV Gerthe ein Heimspiel gegen den Deutzer TV, den letztjährigen Meister der zweiten Regionalliga (2. Regionalliga 1). Wann gespielt wird stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest und wird demnächst bekannt gegeben.

Impressum

TV Gerthe 1911 e.V.
Heinrichstraße 44 a
44805 Bochum

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!