Siegeszug des Basketballspiels

Mitte Dezember 1891 schlug in Springfield, Massachusetts, die Geburtsstunde eines Spieles, das sich innerhalb weniger Jahrzehnte die ganze Welt erobern sollte: Basketball. Zurzeit gehören dem internationalen Basketball-Verband (FIBA) nicht weniger als 123 Länder an, in denen weit über hundert Millionen Menschen einem Spiel frönen, das einst aus zwingender Notwendigkeit entstand. Zu Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts beschäftigten sich die Direktoren mehrerer Colleges in den Vereinigten Staaten mit der Suche nach einem Spiel, das den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, während des ganzen Jahres im Freien oder in der Halle gespielt werden kann und im Gegensatz zum rauen American Football steht, der damaligen Sportart Nummer eins in den Staaten, die aber mache Studienunterbrechung durch ernsthafte Verletzung verursachte.

So kam der junge Dr. Naismith (Canada), ein Turnlehrer am Springfield-College in Massachusetts, auf die Idee, anstatt Tore am Ende des Spielfeldes Körbe (Baskets) als Ziel zu setzen und diese aufzuhängen. Der Ball war mit den Händen in die Körbe zu werfen, und die Regeln schlossen Rempeln von vornherein aus. Schnelligkeit, Körpergewandtheit, Besonnenheit, Mannschaftsgeist und Ausdauer wurden von seinen Jüngern verlangt und sportmännische Haltung. Die Kritiken am neuerfundenen Spiel, die in den Woirten „sissy game“ (Schwesternspiel), „ladylike sport“ (Damensport) oder „oldman’s game“ (Verteranenspiel) gipfelten, verstummten bald angesichts des Siegeszuges, den der Basketball antrat. Die Schnelligkeit und Rasse der Spielentwicklung, die technischen und spielerischen Feinheiten ließen Basketball bald zu einem Publikumssport werden, der die Sportarenen in den USA genauso füllte wie die größten Football- und Baseball-Spiele. Schon im Jahre 1895 wurde die erste Professionalliga in Amerika gegründet, und die YMCA (Christlicher Verein junger Männer) trug das Spiel durch ihre Organisation in alle Welt.

Auf dem europäischen Kontinent fand Basketball zuerst 1917 in Frankreich und kurz danach in Endland, Holland und der Schweiz Eingang. Fünfzehn Jahre später gaben die Schweiz, Italien und die Tschechoslowakei Anstoß zur Gründung des Internationalen Basketballverbandes, und 1935 folgten die ersten Europameisterschaften in Genf. Obwohl die gesamte Westschweiz und das Tessin einen regen Spielbetrieb entwickelten, konnte sich hingegen in der Deutschschweiz der faire und temperamentvolle Sport lange Zeit nicht durchsetzen. Erst in den letzten Jahren bereitete er sich weiter nach Norden aus.

Die eigentliche Entwicklungsgeschichte des deutschen Basketballsports begann 1935, worüber der heutige Präsident des deutschen Sportbundes und des nationalen olympischen Komitees, Willi Daume, für „Basketball“ (Nr. 10/62) schrieb: „Das waren noch Zeiten, als eine Studentenauswahl, aus Handballern bestehend, sich auf die damaligen akademischen Weltspiele vorbereitete und nach Budapest fuhr. Wir hatten etwas voreilig von Handball auf Basketball geschlossen und waren enttäuscht, als es für uns wenig zu gewinnen gab. Das änderte sich auch 1936 nicht, als wir – die Studenten diesmal ergänzt durch Spieler der Wehrmachtssportschulen Wunstdorf und Gatow, noch zum olympischen Basketballturnier in Berlin zugelassen wurden.“

Hermann Niebuhr, Ehrenmitglied und erster Träger des goldenen Ehrenringes des DBB, war am Aufbau des Basketballspiels vor dem Kriege entscheidend beteiligt. Er schrieb: „Nach den Olympischen Spielen setzte eine rege Werbetätigkeit ein, es gab Lehrgänge, die FIBA half und der Spielverkehr entwickelte sich zu den Nachbarländern. So florierte Basketball: 1039 wurden 17 Gaumeister ermittelt…die deutschen Basketballer waren während des letzten Krieges nie aus der FIBA ausgeschlossen und schufen nach dem Kriege zuerst internationale Kontakte.“

Aus der „Gesellschaft zur Förderung des Basketballspiels“ entstand 1950 der Deutsche Basketball-Bund; eine Keimzelle nach der anderen tat sich im Bundesgebiet auf. Deutsche Basketballpioniere, von Baltendeutschen und nicht zuletzt von amerikanischen Sportfreunden hilfreich unterstützt, trieben in Landesverbänden, Kreisen und Vereinen den Aufbau der Basketballbewegung voran. Der DBB wuchs. Heute gehören ihm 14 Landesverbände mit nahezu 40.000 Mitgliedern an.

- Hans Struppeck -

Erlebnisse bei einer Europameisterschaft

München Hauptbahnhof…

Am Bahnsteig steht eine Delegation des DBB, des Deutschen Basketball-Bundes. Diese Delegation erwartet 15 Mitglieder der Kadetten-Nationalmannschaft des DBB. Es warten der Jugendwart Peter Schließer, verantwortlich für den Bau der Olympischen Basketballhalle, der Bundestrainer Yakowos Bilek und sein Assistent Bernd Röder.

Endlich können sie alle 15 Teilnehmer begrüßen und dann geht es per Taxi nach Puchheim ins Hotel. Die Unterkunft ist ganz vorzüglich, mit allem Komfort. Nur kurz ist der Aufenthalt, es geht zurück nach München. Noch heute Abend ist ein Trainingsspiel gegen die Bayern-Auswahl…

Doch bis wir 15 Jungen uns hier treffen konnten, mussten wir harte Lehrgänge überstehen. Der letzte, der eigentliche Auswahllehrgang, fand in der Sportschule Kaiserau (Basketball-Leistungszentrum) statt. 28 Spieler waren geladen und erschienen. Es wurde wieder ein harter Lehrgang. Hauptsächlich wurde nun auf das spielerische Können wert gelegt. Es wurden die letzten Sichtungsspiele durchgeführt und am 4.7. wurden die Teilnehmer der Europameisterschaft nominiert. Ich war dabei! Mit den anderen „auserwählten“ fuhr ich glücklich nach Hause. Etwa die Hälfte der Mannschaft hat schon in der Junioren-Nationalmannschaft gespielt. Ich darf das Nationaltrikot zum ersten Mal tragen. Schon am nächsten Tag erhielt ich einen ausführlichen Organisationsplan der ganzen Europameisterschaft. Unter anderem war auch der Zug angegeben, der mich zum ersten Treffpunkt - Frankfurt - bringen sollte. Ich hatte das Glück, in Herne den D1025 besteigen zu können, der mich bis München brachte. In Frankfurt stiegen die übrigen Spieler zu.

Nun sind wir also in der neuen Halle des Bundesligisten USC München zu einem Werbespiel. Es sind sehr viele Zuschauer da, die schließlich unseren knappen Sieg erleben, doch ebenso wie wir nicht zufrieden sind. Es klappte einfach bei uns nichts. Der Trainer, bisher recht zuversichtlich, wird nun recht skeptisch. Zurück nach Puchheim. Hier erhalten wir z. T. maßgeschneiderte Sportsachen. Am nächsten Morgen geht es mit Kurswagen 1. Klasse von München nach Gorizia.

Gorizia ist ein wunderschönes, mittelgroßes Städtchen, da von der Grenze Italien – Jugoslawien genau geteilt wird. Die Europameisterschaft fand im italienischen Teil statt. Die Fahrt durch die Alpen ist herrlich und die Stimmung bestens. So vergeht die 12-stündige Zugfahrt wie im Fluge. Um 23.00 Uhr kommen wir an. Mit dem Bus geht es in die Unterkunft. Hier machen wir uns frisch, ziehen den Trainingsanzug an. Nach dem Abendessen fahren wir zur offiziellen Eröffnung der Europameisterschaft. Diese findet um Mitternacht auf dem Marktplatz statt. Es ist dunkel. Nur das Rednerpult und die Schilder der teilnehmenden Nationen werden von zwei Scheinwerfen erhellt Nach der Eröffnungsrede ertönen die Nationalhymnen. Unser Schild „Germania Federale“ trägt ein 12-jähriger, der schon in einer italienischen Verbandsauswahl gespielt hat.

Für die Endrunde haben sich 12 Mannschaften qualifiziert, die in zwei Gruppen eingeteilt werden. Gruppe A: Jugoslawien, Italien, Frankreich, Israel, Schweiz und die Bundesrepublik. – Gruppe B: Spanien, UdSSR, Griechenland, Türkei, Österreich und Schweden. In den Gruppen spielt jeder gegen jeden. Dann finden Überbrückungsspiele statt.

Um nicht die ganze Europameisterschaft diarisch zu erzählen, werde ich einen Tagesablauf darstellen.

Jeden tag fanden sechs Spiel statt. Um 9.00, 10.30, 15.00, 17.00, 20.00 und 21.30 Uhr. Jede Mannschaft hatte pro Tag ein Spiel unsere Spiele begannen mit Jugoslawien. Es ist der Favorit dieser Spiele. Wir sind von einer Niederlage nicht überrascht, spielen aber so gut, dass wir nur mit 14 Punkten verlieren.

Unser nächster Gegner, Italien, hat es schwer mit uns. Doch Italien gewinnt. Im nächsten Spiel erleben wir eine böse Überraschung. Die Israelis, die uns so schwach erschienen, steigern sich über alle Maßen und schlagen uns höher als die Jugoslawen. Lieder zog sich in diesem Spiel einer unser besten Spieler eine Sehnenscheidenentzündung zu. Dadurch verloren wir unser Spiel gegen Frankreich, das wir hätten gewinnen können.

Am fünften Spieltag holen wir unseren ersten Sieg. Wir schlagen die Schweiz mit 118 : 44 Punkten.

Der sechste Tag ist allgemeiner Ruhetag. Um 10.00 Uhr ist ein Empfang auf dem Kastell, der vom italienischen Fernsehen übertragen wird. Nachmittags machen wir eine Dampferfahrt nach Triest. Hier haben wir zum ersten Mal Gelegenheit, Kontakt mit anderen Mannschaften aufzunehmen, was auch im großen Maße geschieht. Mit Englisch und Französisch kann man sich überall verständigen. Erst am Abend geht es wieder zurück. Es war ein erlebnisreicher Tag.

Die beiden letzten Spieltage bringen uns noch zwei Siege. Wir besiegten Österreich und Schweden. Damit erreichten wir den neunten Platz in der Gesamtwertung. Unser Trainer ist mit uns zufrieden. Es die bisher beste Platzierung einer deutschen Mannschaft bei den Europameisterschaften.

Das Endspiel bestreiten Italien und Jugoslawien. Es sind 4200 Zuschauer und 420 Polizisten gekommen. Ich habe selten so ein temperamentvolles Publikum erlebt, wie bei diesem Spiel. Sehr beeindruckt verlassen wir die Halle. Wir haben erfahren, was uns in Deutschland noch im Basketball fehlt. Diese Mannschaften, deren Spielen 17 Jahre und jünger sind, würden so manche Oberligamannschaft von uns schlagen.

Das Endspiel wurde von Jugoslawien mit 24 Punkten Unterschied gewonnen. Also Jugoslawien vor Italien, UdSSR, Spanien, Griechenland, Israel, Frankreich, Türkei, Bundesrepublik, Schweden, Österreich und Schweiz.

Am nächsten Tag fahren wir zurück. Jeder freut sich auf „zu Hause“. Trotz aller Erlebnisse war es doch eine anstrengende Zeit. Ich konnte nicht von allem berichten, das würde ein Buch füllen. Unzählige Empfänge, Besichtigungen und Begegnungen hielten uns von morgens bis abends angespannt. In München besichtigten wir noch das Olympia-Gelände und feierten in Puchheim den Erfolg bei einer „Moas Bier“. Am nächsten Tag geht es nach Frankfurt. Hier werden wir offiziell verabschiedet. Dann geht es endlich nach Hause. Für mich war diese Europameisterschaft ein großes Erlebnis. Ich werde diese Tage sicher nicht vergessen.

Freuen würde ich mich, wenn ich wieder in der Nationalmannschaft spielen könnte.

- Klaus Reckinger -

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